Sonntag
Der Mittdreißiger Thibault ist ein durchschnittlicher, uninteressanter und nicht sonderlich sympathischer Mann, der am liebsten nichts tut. Und genau so verbringt er diesen Sonntag: Mit Nichtstun, Aufschieben, Prokrastinieren. Schrauwen lässt uns diesen vergeudeten Sonntag aus der Perspektive und mit dem Bewusstsein seines Protagonisten erleben: Alltägliche Gesten und Ereignisse verbinden sich mit einem mäandernden Bewusstseinsstrom aus ebenso alltäglichen, unkontrollierbar in alle Richtungen drängenden Gedanken, Erinnerungen, Tagträumen, Fantasien. „Sonntag“ ist eine erzählerische und grafische Tour de Force, die Schrauwen mittels Leitmotive und einem reduzierten, aber raffinierten Farbkonzept strukturiert. So macht er aus dem betont Unspektakulären ein spektakuläres Werk. Es passiert so gut wie nichts – und doch ist „Sonntag“ ein hoch komplexer und überaus spannender Roman, der ein ebenso beklemmendes wie witziges Bild des Alltäglichen vermittelt.