Schweigen
Es ist vor allem die Brutalität als Folge des Schweigens, die Birgit Weyhe in den Blick nimmt. Das Schweigen der Täter nach dem Nationalsozialismus, das Schweigen der Opfer – und das Schweigen all derer, die von den Naziseilschaften noch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg profitierten. Birgit Weyhe zeichnet nach, wie Bundesregierung und Auswärtiges Amt schwiegen und sich nicht für die von der argentinischen Militärjunta verschleppten Deutschen einsetzte – weil das wirtschaftlich opportun erschien. Eine der beiden porträtierten Opfer war ausgerechnet eine Jüdin, deren Eltern vor den Nationalsozialisten nach Argentinien geflohen waren. Die starken Metaphern, ein Markenzeichen von Birgit Weyhe, machen die Lebenswege nachfühlbar. Sie zeichnet Menschen, die immer mehr zur Kontur werden und unter schwarzen Flächen verschwinden. Flächen, die aufgekratzt werden und wie Schürfwunden, das Unerträgliche zeigen. Mit „Schweigen“ beleuchtet Birgit Weyhe eindringlich ein dunkles Kapitel bundesrepublikanischer Geschichte, über das nicht mehr geschwiegen werden sollte.