Die große Verdrängung
Ist unsere Welt noch zu retten? Diese Frage stellt Roberto Grossis graphischer Essay „Die große Verdrängung“. Auf eindrucksvolle Weise kombiniert er persönliche Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu Artensterben, Klimakatastrophe, ökonomische, soziale und gesellschaftliche Aspekte. In seiner Kindheit war Grossi häufig in den Alpen unterwegs. Als er nun seinen Kindern die Schönheit der Berge und der Gletscher zeigen will, wird ihm das Ausmaß der Klimakatastrophe auf erschreckende Weise bewusst. Darf man dafür aber so bestechend schöne Bilder finden? Man muss. Denn so führt Grossi uns das Ausmaß des Verlustes besonders schmerzlich vor Augen. Ein häufiges Stilmittel sind dabei zweigeteilte Seiten, die entweder klassisch Entwicklungen gegenüberstellen – der Gletscher noch vor einigen Jahren und die Reste davon heute – oder assoziative Bildparallelen herstellen wie der Plastikmüll im Meer und schwimmende Leichen, Vögel auf der Stromleitung und Geflüchtete auf einem Grenzzaun ... Im Gegensatz zu nackten Fakten machen Bilder die Katastrophe fühlbar. Grossi will, dass wir nicht länger verdrängen. Er will uns aufrütteln.