Der verkehrte Himmel
Es geht um einen abgetrennten Finger – um eine vietnamesische Frau, die Opfer von Menschenhändlern geworden ist. Und es geht um drei Teenager aus Berlin Lichtenberg, die in diese Verbrechen hineingezogen werden. Mikael Ross ist für seine gut recherchierten Milieustudien bekannt. „Der verkehrte Himmel“ ist anders und trotzdem typisch. Denn der Comic ist zwar reine Fiktion – die Elemente dieses Krimis aber sind Realität. Das Leben der Lichtenberger Teenager, deren Eltern oft aus Vietnam eingewandert sind, kennt Ross zum Beispiel von Schulprojekten. Dies ist Ross erster Comic, der vom Manga inspiriert ist. Entsprechend rasant zerlegt er Rollschuhszenen und Verfolgungsjagden in einzelne Bilder. Und er geht virtuos mit wenig Farbe um: nur ein einziges Mal versieht Ross die Gesichter seiner schwarz-weißen Zeichnungen so fein mit einem zarten rot, dass es sich beim Lesen anfühlt, als würde man selbst erröten. Entstanden ist ein vielschichtiger Comic, in dem die Menschen mit ungeheurem Respekt gezeichnet werden und der zugleich lustig und spannend ist.