Isabel Kreitz – Der Stift ist mein sechster Finger
Isabel Kreitz – Der Stift ist mein sechster Finger
4. Juni bis 5. JuliKunstmuseum
Öffnungszeiten:Do 12:00–19:00, Fr/Sa 10:00–19:00, So 10:00–17:00 Uhr
ab 8. Juni reguläre Öffnungszeiten des Kunstmuseums
mit Salon-Ticket Eintritt frei!
Das Werk von Isabel Kreitz ist vielfältig, sehr eigenständig und höchst beeindruckend. Die Ausstellung verfolgt Kreitz’ Weg vom Ende der 1980er-Jahre bis in die Jetztzeit – und kein Ende in Sicht. In ihren Anfängen galt Deutschland noch als „Comic-Wüste“; ihre ersten Strips erschienen in der Bild-Zeitung, eine erste Comic-Serie (Ralf 1–4) fand eine Heimat im Zwerchfell Verlag. Ihre Vorbilder waren Will Eisner („von ihm konnte man alles lernen“), Charles Addams mit seiner Addams Family und Tomi Ungerer. Die Groteske des MAD-Magazins, der Horror der amerikanischen EC Comics, die Lichteffekte der Stummfilme von Fritz Lang – all das begeisterte sie schon als Studentin an einer Fachhochschule, die Comics als Schund abtat. Und überhaupt: Kann man in Deutschland vom Comic-Zeichnen leben? Kreitz hat sich das nicht gefragt, sondern Verbündete gesucht – und dann einfach gemacht.
Seit über 40 Jahren ist sie in der deutschsprachigen Comic-Welt präsent. Mit Gruselheften und Graphic Novels, mit Kindercomics nach Erich Kästner (eine geniale Erweiterung seines Illustrators Walter Trier) und als Herausgeberin einer Gruselgeschichten-Reihe bei Carlsen, „Die Unheimlichen“, mit der sie illustre Comic-Kolleg*innen für eigenwillige Umsetzungen von Gruselgeschichten gewann. Und mit den „Brot und Butter“-Aufträgen von zahlenden Kunden, die von der Welthungerhilfe bis zum Hamburger Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“ reichen. Die Kunden wollten nicht irgendjemanden, sondern Kreitz – und das sieht man den Ergebnissen auch an. „Ich mochte diese Aufträge“, sagt sie. „Die gaben mir eine Bestätigung, die ich anderswo nicht unbedingt fand.“ Kreitz war nie angestellt, sie hat an keiner Hochschule gelehrt, sie hat einfach gemacht. Gezeichnet – und davon gelebt.
Die Werkschau zeigt: Es gibt nicht eine Isabel Kreitz, sondern viele, und alle sprechen miteinander: Die „teutonischen“ Abgründe der Graphic Novels, die heiteren Gespenster in Wimmelbild-Büchern, das kleine Mädchen, das vor seinen Quälgeistern in ein Jules Verne-U-Boot flüchtet … „Der Stift ist mein sechster Finger“, das kann auch als Formel gesehen werden: Für eine Zeichnerin, die mit Beharrlichkeit und Neugier in vielen Comic-Welten zuhause ist und alle mit ihrem ganz eigenen Strich geprägt hat.
Brigitte Helbling